Studie: Zivilgesellschaftliches Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund

Kreativ&Söhne Leipzig

16.09.2021

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat sich im Rahmen der Studie "Mitten im Spiel - oder nur an der Seitenlinie" mit der politischen Partizipation und der dem zivilgesellschaftlichen Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland befasst.

 

Die migrationsbedingte Vielfalt in Deutschland nimmt zu, und mit ihr schreitet die Teilhabe der Zugewanderten und ihrer Nachkommen an den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens voran. Wie steht es dabei um die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund?
Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat sich im Rahmen der Studie "Mitten im Spiel - oder nur an der Seitenlinie" mit der Frage befasst, welche Faktoren politische Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement von Menschen beeinflussen und spricht Empfehlungen aus, wie die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund gefördert werden kann. Der SVR hat für die Erhebung aktuelle Daten des SVR-Integrationsbarometers empirisch untersucht. Sie ist Teil des Projekts "BePart – Politische Teilhabe beginnt vor Ort!", das federführend von Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung durchgeführt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird.

Der öffentliche Fokus in diesem Themenfeld liegt häufig auf Arbeitsmarkt- und Bildungsintegration oder Teilhabe in den Bereichen Gesundheit, Wohnen und Soziales. Kulturelle, politische und zivilgesellschaftliche Dimensionen der Integration bleiben häufig ausgeblendet - dabei haben sie für Migrant:innen für die subjektiv wahrgenommene Teilhabe und das damit verbundene Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft eine hohe Bedeutung. Die Studie bestätigt das bereits in mehreren Untersuchungen nachgewiesene Partizipationsdefizit der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Zum Beispiel nehmen Zugewanderte und ihre Nachkommen im Vergleich zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund im Schnitt seltener an der Bundestagswahl teil (sofern sie Deutsche sind), weisen ein geringeres Niveau an sonstiger nichtelektoraler politischer Aktivität auf und sind auch weniger in zivilgesellschaftlichen Kontexten engagiert, sei es vermittelt über die Mitgliedschaft in Vereinen oder durch vereinsungebundenes Engagement.

Die beiden Formen der gesellschaftlichen Teilhabe: politische Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement – stehen in einem Zusammenhang. Unter den Zugewanderten und ihren Nachkommen, die sich zivilgesellschaftlich betätigen, finden sich auch höhere Partizipationswerte im Hinblick auf Wahlbeteiligung und nichtelektorale Formen der politischen Teilhabe: Wer zivilgesellschaftlich engagiert ist, geht – sofern sie oder er die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt – mit höherer Wahrscheinlichkeit wählen oder beteiligt sich anderweitig politisch, insbesondere bei formalisiertem (Vereinsmitgliedschaft), regelmäßigem und mehrfachem Engagement. Ohne freiwilliges ehrenamtliches Engagement in der Zivilgesellschaft, sei es mittels Vereinsmitgliedschaft oder informell, ist demgegenüber auch die Teilhabe an Politik unwahrscheinlicher. Zugänge zu politischer oder zivilgesellschaftlicher Teilhabe zu schaffen, kann bereits einen elementaren Schritt bedeuten. In diesem Zusammenhang zeigen die Befunde des Freiwilligensurveys auf ein besonderes Potenzial für zivilgesellschaftliches Engagement unter Menschen mit Migrationshintergrund hin: Zwar ist das Ausmaß des Engagements in dieser Gruppe niedriger als dasjenige der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund, jedoch sind unter den bislang nicht engagierten Zugewanderten und ihren Nachkommen 68,1 Prozent in Zukunft dazu bereit.

Zusammenfassend spricht sich die Studie dafür aus, für eine möglichst schnelle Schaffung gleicher politischer Teilhaberechte und Partizipationsmöglichkeiten, Neuzugewanderte mit der Perspektive eines Daueraufenthaltes möglichst früh – also zu einem Zeitpunkt, an dem sie gegenüber dem politischen System und seinen Akteur:innen vergleichsweise positiv eingestellt sind – abzuholen und für eine aktive Teilhabe zu interessieren, zu mobilisieren bzw. bzw. mit entsprechenden Ressourcen auszustatten.

// Den Download zur Studie sowie nähere Informationen zum Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration finden Sie hier.

 

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