Arbeiten Ehrenamtliche nicht wie Profis?

Kreativ&Söhne Leipzig

16.08.2021

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erhöht in einem Interview mit dem Politikmagazin Kontrovers den Druck auf die STIKO, das Impfen ab 12 generell zu empfehlen. Seine Kritik: Die Stiko arbeite - im Gegensatz zu den Profis der EMA - nur ehrenamtlich. Unsere Stellungnahme dazu.

 

Arbeiten Ehrenamtliche nicht wie Profis? Diese Frage warf Markus Söder (CSU) auf, als er im Juli in einem BR-Interview über die Ständige Impfkommision (STIKO) sagt: "Wir schätzen die STIKO, aber das ist eine ehrenamtliche Organisation. Die EMA – die Europäische Zulassungsbehörde - das sind die Profis.“
Uns geht es an dieser Stelle nicht um die Diskussion, ob Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren geimpft werden können oder nicht, sondern um den Gegensatz den Markus Söder mit dieser Aussage aufzumachen versucht: Ehrenamtliche vs. Profis. Ein Gegensatz, den wir so nicht sehen, denn für viele ehrenamtliche Tätigkeiten wird Fachwissen und Gelerntes aus beruflicher Arbeit benötigt bzw. wird darauf zurückgegriffen. So auch von den Mitgliedern der STIKO. „Die Mitglieder sind Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaft und Forschung, aus dem Bereich des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der niedergelassenen Ärzteschaft. […].“ Sie arbeiten in der Impfkommission ehrenamtlich, aber sie sind auch qualifiziert für dieses Ehrenamt.

Im August besucht Markus Söder die Bergwacht Hinterstein und verschafft sich einen Einblick in das Leistungsspektrum der ehrenamtlichen Bergrettungskräfte. Er postet auf seinem Instagram-Kanal: „Beeindruckend, wie selbst aus schwierigsten Situationen Leben gerettet werden können. Hier greifen bestes Know-how und neueste Technik ineinander.“  Er bedankt sich bei dem zumeist ehrenamtlich tätigen Rettungskräften. Nun stellen wir uns die Frage, wie im Nachgang des Besuchs folgender Satz bei den Rettungskräften angekommen wäre: Wir schätzen die Bergwacht …, aber das ist eine ehrenamtliche Organisation. Unserer Auffassung nach würde man die Rettungskräfte damit verärgern. Denn so eine Aussage setzt nicht nur die Leistung der Rettungskräfte herab, sondern untergräbt zugleich das Vertrauen in ihre Kompetenz und Arbeit. Deshalb haben die STIKO-Mitglieder zu Recht gefordert, dass Markus Söder seine Aussage korrigiert. (BR Nachrichten vom 16.07.)

Das Motto der Ehrenamtsagentur Sachsen ist: Miteinander stark!
Das heißt für uns auch in Krisensituationen, in denen unter Zeitdruck Entscheidungen gefällt werden müssen, ein wertschätzendes Miteinander zu pflegen.

 

//Das vollständige Interview von Markus Söder mit dem Politikmagazin Kontrovers des Bayerischen Rundfunks finden Sie hier.

 

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